10 Monate Elternzeit – Wie fühlt sich das an?

Elternzeit beantragt… nun kann es los gehen! 10 Monate Zeit für die Familie, Zeit zu Viert, Zeit zum Reisen und dafür, neue Horizonte zu entdecken. Viel Zeit, um weiter zu wachsen und um mich weiter zu entwickeln. Freue ich mich? Ja, ich spüre Freude in mir aufkommen bei dieser Aussicht. Doch bemerke ich auch noch etwas anderes, eine Trübung.

Zehn Monate Elternzeit zu beantragen war für mich nicht einfach. Ich bin in einem konservativ geprägten Umfeld erwachsen geworden. Eine katholische Erziehung und Kindergarten, der Schulbesuch im CSU geprägten Bayern, und natürlich, wie sollte es nach all den Jahren der Entfremdung von mir selbst anders kommen: ein Wirtschaftsinformatik-Studium. Oh Gott, und weil ich nicht so schnell aufwachte, auch noch ein VWL-Studium, die Promotion und die Habilitation. Die Messlatte, die ich als Jugendlicher akzeptierte und bis ins Erwachsenenalter mit mir herumtrug, hieß: „Ein Mann ist etwas wert, wenn er erfolgreich ist! Und erfolgreich ist der hart Arbeitende, der Viel und Gutes leistet.“ Nach Jahren der intensiven Beschäftigung mit mir und dem Thema Persönlichkeitsentwicklung, erkenne ich, was da ablief: Liebe für Leistung, ein Dreiertyp im Enneagramm par Excellence.

Meine Wahrnehmung ist, dass die Gesellschaft in der ich lebe, die arbeitenden, erfolgreichen Personen auf das Siegertreppchen stellt: Mark Zuckerberg, Bill Gates, Elon Musk, Manuel Neuer, Thomas Müller, Angela Merkel und all die Heerscharen des mittleren und oberen Managements. Menschen, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren, viel leisten und materiell überdurchschnittlich ausgestattet sind. So empfinde ich das gesellschaftliche Wertesystem und machte es lange Zeit unbewusst auch zu meinem persönlichen Standard.

Mittlerweile weiß ich, dass viel arbeiten und leisten nicht mein Lebensziel, nicht meine Lebensaufgabe ist. Ich arbeite. Und weil ich davon meine Familie versorgen kann, tue ich es auch gern. Ich identifiziere mich aber nicht mit meiner Arbeit. Es hat für mich keinen Selbstzweck. Ich benötige Geld und damit Arbeit in irgendeiner Form, um Essen für meine Familie zu kaufen und die Miete zahlen zu können. Was für mich persönlich sinnstiftend und deshalb erstrebenswert ist? Zeit mit meiner Familie zu haben, Zeit mit den Menschen, die ich liebe. Meinen Gefühlen nachzugehen, meine Bedürfnisse spüren, und mich mit mir selbst, meiner persönlichen Entwicklung und meinen Erfahrungen zu beschäftigen.

Da kommt die Elternzeit als Gelegenheit zum Reisen zur rechten Zeit. Andere Länder und Kulturen kennenlernen, um mich selbst in der Welt zu erfahren und neu zu entdecken. Deshalb bin ich dankbar für diese zehn Monate. Zehn Monate Elternzeit und Reisen mit der Familie ist für mich ein Traum, der in wenigen Wochen in Erfüllung geht.

Aber ganz so einfach werde ich das tief in mir verankerte Tattoo „Du musst arbeiten und erfolgreich sein!“ nicht los. Macht nichts! Ein weiterer Punkt, mit dem ich mich beschäftigen und an dem ich wachsen kann. Die Elternzeit kann kommen.

(von Daniel)

2 Einträge zu „10 Monate Elternzeit – Wie fühlt sich das an?

  • Lieber Daniel, dein Text geht mir ans Herz….. Ja, es ist so wie Du schreibst , genau so habe ich Dich kennengelernt.
    Etwas verkrampft, leise sprechend, damit das was Du sagst auch das Richtige ist. Ja, als die Liebe bei Dir einschlug
    (und nicht etwa nur leise anklopfte) wurdest Du freier, im Sprechen freier und lauter, ein Knoten war geplatzt.
    Nun bist Du, nein…seid ihr auf dem Weg in die weite Welt .Genießt es, es ist wie das erleben des Erwachsen werdens, nur mit viel mehr Verantwortung für die Deinen. Ich umarme Euch alle ! Eure Heidi

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